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In memoriam Joe Zawinul

Joe Zawinul – Gedanken an einen der ganz Großen

Am 11.September 2007 hat einer der bedeutendsten Musiker unserer Zeit die Erde verlassen und ist in die Ewigkeit eingegangen.

Das größte Anliegen unseres Mentors und Namensgebers war es immer, die Musik als eine Art der Kommunikation zu sehen, die man nicht mit dem Intellekt, sondern mit dem Herzen und deshalb jenseits aller sprachlichen Grenzen versteht. Nicht umsonst bestanden seine Bands immer aus Musikern aller Kontinente, die auch ohne Texte und Worte imstande waren, die Menschen überall auf der Erde zu erreichen, zu berühren und zu erfreuen. Wer seine Konzerte erlebt hat weiß, wie viel Wert er auf Spontaneität, Ursprünglichkeit und Spiritualität auf einer Basis von lebendigen und pulsierenden Rhythmen in seiner „Weltmusik“ gelegt hat.

Deshalb war es ihm auch immer besonders wichtig, schon im Rahmen einer musikalischen Ausbildung diesen emotionalen Zugang zur Musik, der bei Kindern und Jugendlichen noch viel unverfälschter und ursprünglicher vorhanden ist als bei  Erwachsenen, nicht durch übertriebenen Ehrgeiz und technokratisches Wettbewerbsdenken zu verbauen, sondern die Musik vielmehr als schöpferischen Ausgleich zu den gerade in der heutigen Zeit so vielfältigen „Pflichten“ des Lebens zu verstehen.

Joe Zawinul hat sich bei seinen Besuchen im Wien immer nach „seiner“ Schule erkundigt und sich sehr gefreut zu hören, mit welcher Begeisterung dort gesungen und musiziert wird. Dies war für ihn eine Bestätigung dafür, dass schöpferische Betätigung für so viele junge Menschen ein emotionales Grundbedürfnis darstellt, das es zu entdecken und unbedingt zu erhalten und zu fördern gilt. Er hat immer betont, wie sehr ihm die musikalische Ausbildung junger Menschen am Herzen liegt und wie hoch dabei die Verantwortung der damit betrauten Lehrkräfte zu bewerten ist.

Joe Zawinul hat nicht nur durch seine Musik, sondern auch durch seinen Zugang zum Thema „Unterrichten“ und durch sein menschliches Verständnis die künstlerische und die pädagogische Sicht musikalischen Schaffens an unserer Schule maßgeblich mitgeprägt und beeinflusst. Alle Lehrerinnen und Lehrer, aber auch alle Schülerinnen und Schüler sind sich der Bedeutung bewusst, an der „Joe Zawinul Musikschule“ zu lehren und zu lernen, und wir werden auch weiterhin unser Bestes geben, in seinem Sinne tätig zu sein und uns seines Namens würdig zu erweisen.

Joe Zawinul hat die Erde verlassen, aber sein Geist und seine Musik sind unsterblich. Uns allen zum Trost möge eine abgewandelte Textzeile von Antoine de Saint-Exupéry dienen: „ … und wenn der erste große Schmerz vergangen ist, werden wir froh und dankbar sein, ihn gekannt zu haben“

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Andreas Tieber
Leiter der Joe Zawinul Musikschule Gumpoldskirchen